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Eine Wanderung entlang der alten sächsisch-preußischen Grenze

Eine Wanderung entlang der alten sächsisch-preußischen Grenze
Nach den Befreiungskriegen vom napoleonischen Joch im Jahr 1813 wurden in Europa die Grenzen neu gezogen. Der nördliche Teil des Königreichs Sachsen wurde dem Königreich Preußen zugeordnet, so auch das Schradengebiet im Landkreis Elbe-Elster. Heute kann man hier die Grenzsteintour entlang wandern.
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Die Markierung der sächsisch-preußischen Grenze von Seidenberg (polnisch Zawidow) bis zum Dreiherrenstein im Thüringer Wald erfolgte in den Jahren 1817 bis 1818. Sachsen wurde zwar 1806 Königreich, verlor aber nach dem Wiener Kongress 1815 einen großen Teil seines Territoriums. In der Linie von Großthiemig bis Wainsdorf (EE) wurden von den 16 aufgestellten Pilaren (hoheitliche Grenzsteine) noch elf Sandsteinmarkierungen vorgefunden. Die Grenzsteintour führt über 24,5 Kilometer. Anfänglich mit Holzpfählen markiert, kamen später Sandsteinsäulen an diese Stellen entlang der Grenze. Jeder Stein ist mit KP (Königreich Preußen) und KS (Königreich Sachsen) sowie mit einer fortlaufenden Nummer gekennzeichnet.

Wanderempfehlung für die Grenzsteintour

Mit diesem Wissen kann die Wanderung, etwa 500 Meter aus Merzdorf Richtung Wainsdorf laufend begonnen werden. Direkt an der Straße steht der erste Grenzstein (Nr. 175). Die Grenzsteintour, der Wanderweg ist rot-grün gekennzeichnet, ist auf der Beschilderung leicht auszumachen, die Wanderrichtung nicht zu verfehlen. Durch den Wald, aufmerksam ausschauhaltend, geht es voran. An einer spitzwinkligen Kreuzung steht Nr. 174 – ich untersuche ihn auf alle Merkmale hin und im Kopf arbeitet die Geschichte: Wie mag es damals an diesem Ort ausgesehen haben? Welche Werkzeuge wurden zum Aufstellen und Messen wohl benutzt?

 

Grenzsteintour

Wandergruppe Am Grenzstein 175 Anja Saske

Läufersteine beachten!

Zwischen den Grenzsteinen befinden sich sogenannte Läufersteine, die nummeriert als Zwischenmarkierung dienen. Sie sind kleiner als die Grenzsteine und geben Orientierung. Einen Kilometer weiter biegt die Grenze links ab, Grenzstein Nr. 173 steht dort und schließlich folgt Nr. 172. Weiter führt der Weg durch den Wald. Das Auge sucht. Gefühlt müssten Stein Nr. 171 und später Nr. 170 ins Sichtfeld kommen, aber sie finde ich leider nicht. Viele Steine entlang der gesamten Grenze sind nicht mehr vorhanden. Andere wurden nach mühevoller Suche gefunden und wieder aufgestellt. Im Jahr 1997/98 wurden von den ursprünglich im Amt aufgestellten 16 Steinen elf gefunden. Fünf von ihnen haben die Form eines Prismas, sechs sind als Pyramidenstümpfe auf Sockel oder Platte errichtet.

Zum höchsten Punkt

Zirka 400 Meter vor der Landstraße Strauch – Treugeböhla geht es links im Wald weiter. In nördlicher Richtung führt der Weg bis zum Grenzstein 169. Die Mauerreste, die dort zu sehen sind, waren einst das Vorwerk Karlsdorf. Die Grenze führt rechts, weiter aufwärts hin zu einer asphaltierten kleinen Straße – dort steht die Grundplatte von Nr. 168. Auf 201,4 Metern Höhe führt der Wanderweg, der als leicht eingestuft ist, zur höchsten Erhebung in Brandenburg, auf den Heideberg. Der 2008 neu errichtete Aussichtsturm bietet eine vortreffliche Aussicht.

Für Familien mit Kindern hält die spannende Grenzsteinwandertour weit mehr bereit als Steinegucken und Ruhe genießen. Die Jagd nach Caches auf diesem Grenzstein-Pfad bringt Spannung und ganz neue Sichten in die Wanderung – die Moderne ist angekommen: Geocaching. Wer auf dem „Grenzgänger“ Schätze entdecken will, muss sich vorher bei geocaching.com anmelden.

Und wieder bergab

In östlicher Richtung bergab führt der Weg in ein Gelände mit großer Reliefenergie, fast wie im Mittelgebirge. Am Ende einer Wiese steht versteckt der Grenzstein Nr. 167, alle stehen sie unter Denkmalschutz. Am Waldrand entlang über einen Hohlweg geht es zum rot markierten Wanderweg. Über die Landstraße Hirschfeld-Strauch führt der rot-grüne Pfad rechts in den Wald und in Sicht kommt Nr. 166. Aufgepasst! Weglos geht es über den Acker, einen Feldweg entlang bis nach Hirschfeld. Das Amt Schradenland hat die rot-grüne Wegemarkierung bis auf 24,5 Kilometer eingerichtet. Auf Ortrander Flur ist er nach Kartenlage weiter begehbar. Ein Ausbau wird weiter forciert.

Autor: Mona Claus