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Radeln auf dem Moorlehrpfad in Raddusch

Radeln auf dem Moorlehrpfad in Raddusch
Auf etwa 13 Kilometer bekommt der Wanderer nicht nur Fitness, sondern auch Wissen über die in der Öffentlichkeit wenig beachteten Moore vermittelt.
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Achtung: Auf diesem Moorlehrpfad könnte Ihnen Natur begegnen!

Um es vorwegzunehmen: Dieser Pfad durch das Innere des Spreewaldes hält nicht das, was er zu versprechen scheint. Er ist nicht gruselig, es gibt keine Irrlichter, keine in der nächsten Ecke lauernden (bestellten) Geister oder Feen.

Der Besucher kann auch nicht daneben treten und bis zum Hals im Morast versinken – es wird nichts weiter geboten als Landschaft. Fernab vom Eventtourismus wird der Wanderer zurückgeführt auf das Wesentliche, auf die Ursprünge des Lebens in einer hochsensiblen Natur. Moore leisten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Wer sich mit dieser Haltung auf den Weg macht, wird vollends auf seine Kosten kommen.

Der etwa dreizehn Kilometer lange Weg befindet sich im Dreieck zwischen Raddusch, Boblitz und Leipe, in einem bisher touristisch unerschlossenen Gebiet. Manch Wanderer ist gut beraten, sich gemeinsam mit anderen auf den Weg zu machen.

Nicht jedem gefällt es, so ganz allein inmitten der Natur zu sein, mit fremden Geräuschen und den immer wieder auftretenden Unsicherheiten, ob der eingeschlagene Weg auch zum Ziel führt – praktisch der einzige „Gruselfaktor“. Ein bisschen Abenteuer darf sein!

 

Erfassung der GPS-Koordinaten durch Burger Schüler. Peter Becker

Dieser Moorlehrpfad ist anders als gewohnte Wanderwege

Die Orientierung ist zugegebenerweise etwas gewöhnungsbedürftig. Für den einen, den Kartenleser, eine kleine Herausforderung wegen der häufigen Abzweigungen. Für den anderen, den Mediengewohnten, ein Erlebnis. Erst hier wird sich Letzterem der Sinn (und Eignung) so mancher Navigations-App erschließen. Der Moorlehrpfad ist der erste Wanderweg im Spreewald, der praktisch ohne Beschilderung auskommen könnte.

Wenn es dennoch Hinweisschilder und Flyer gibt, dann ist es ein Zugeständnis an die weniger Mediengewohnten.

Eingeweiht wurde der Weg 2014, in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismusverein, dem Biosphärenreservat und dem Tourismusverband Spreewald.

Vorausgegangen war die Erschließung und Kartierung der Moore und der Wege. Der anerkannte Moorexperte Manfred Werban aus Burg hat jedes Moor genau beschrieben, Schülerinnen und Schüler der Burger Oberschule haben mit GPS-Geräten die Koordinaten erfasst und in Zusammenarbeit mit ECOREG digitalisiert. Daraus entstand eine auf Smartphones zu übertragene interaktive Karte – die Wegnavigation. Sie ist an jeder Station auch noch nachträglich herunterladbar, denn der dort angebrachte QR-Code führt zum Download ebenso, wie zur Beschreibung der Moore.

Der Fuß- oder Radwanderer startet am besten im Radduscher Hafen und begibt sich entlang der Radduscher Kahnfahrt auf Entdeckungstour. Die erste Station erreicht er nach etwa einem Kilometer, es ist ein ehemaliger Torfstich. Hier findet er auch eine der insgesamt drei großen Informationstafeln – und den MOFO, den Moorfrosch, das Maskottchen des Pfades. Es belegt dem Wanderer, dass er auf dem richtigen Weg ist. Derart mit ihm angefreundet, möchte er die kugelige Strickfigur nicht mehr vermissen – die touristischen Anbieter in Raddusch halten ihn zum Verkauf bereit.

Moore vermitteln Wissen

Rastplatz an der Buschmühle. Peter Becker

Ein Rastplatz befindet sich wenige Hundert Meter weiter bei den Radduscher Kaupen, später noch einmal an der 1771 erbauten und jüngst rekonstruierten Buschmühle.

Nach dem Dubkowmoor besteht die Möglichkeit, sich in der Dubkowmühle zu stärken. Dazu muss der Wanderer den Moorlehrpfad mal für etwa 200 Meter verlassen und der Ausschilderung folgen. Nach der Stärkung kommt eine lange Strecke durch die Einsamkeit. Menschen werden kaum unterwegs sein, höchstens Gleichgesinnte auf Gegenkurs, denn der Weg ist als Rundweg ausgelegt.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass auf der etwa dreistündigen Fußtour wesentlich mehr Tiere zu sehen sind, als Menschen. Kurz vor dem Ende der Strecke wird als letzte Station das Quellgebiet am Schwarzen Berg passiert. Hier sprudelt eine muntere Quelle mal mehr und auch mal weniger Wasser, welches sich auf den angrenzenden Spreewaldwiesen verliert. Vielleicht entsteht hier mal ein neues Moor?

Nach etwa einem weiteren Kilometer ist der Ausgangspunkt Radduscher Hafen erreicht – Zeit für eine abschließende Stärkung im Restaurant des Hafenhotels. Die Begehung des Moorlehrpfades ist nicht nur gesund und dient der Fitness, sondern führt auch zu neuem Wissen, etwa darüber, dass vernässte Moore Kohlenstoffdioxid binden und deshalb schützenswert sind.  

Autor: Peter Becker