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Im grünen Reich der Götter – Rundgang durch den Schlosspark Altdöbern

Im grünen Reich der Götter – Rundgang durch den Schlosspark Altdöbern
„Juwel der Niederlausitz“, „Grüne Lunge von Altdöbern“, „Flügeltür zwischen Spreewald und Seenland“ – wie oft hat die Medienwelt versucht, eine Bezeichnung für den Altdöberner Schlosspark zu finden. Neuerdings müssen Götter herhalten.
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Der Götterhain von Altdöbern

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Wo treffen Besucher eines Schlossparks schon auf so eine Ansammlung von Gottheiten. Zuallererst werden Besucher von Diana, Göttin der Jagd, begrüßt. An der Eingangstreppe sind es Merkur und Venus, die die Blicke auf sich ziehen; am Heckentheater Nymphe Syrinx und Dionysos, die der griechischen Mythologie zugeordnet werden.

Beim Heckentheater handelt es sich um einen mit Pflanzen geometrisch geschaffenen Raum, dessen grünende Kulissenwände ein optisches und akustisches Bespielen ermöglichen. Blütenpracht zeigt sich hinter der Bühne, hervorgerufen durch Hortensien, Rhododendren und Azaleen, die im torfhaltigen Boden ideale Wachstums-Voraussetzungen finden.

Eigenständiges Park-Juwel im Schlosspark

Ein unscheinbarer Sockel an der Westterrasse des Schlosses macht schemenhaft auf eine weitere Besonderheit aufmerksam. Einst wurde dieser von acht Handwerkerputten geziert, die weit von Altdöbern entfernt eingelagert sind. Ebenso Flora und Amor sowie zwei wertvolle Sandsteinvasen. Weingott Bacchus und Hygieia, Göttin der Gesundheit und Schutzpatronin der Apotheker sorgen für Balance. Zu finden sind beide Sandsteinfiguren im Spielegarten, auch Französischer Garten genannt – ein eigenständiges Park-Juwel, dessen Ursprung 250 Jahre zurückliegt.

Spaziergängern wird ein aufmerksames Hinschauen empfohlen, werden Teile des Französischen Gartens von Linden und Hainbuchen aus den Jahren um 1750 gesäumt. Der Neptunbrunnen mit seinen Flankier-Figuren „Angst und Freude am Wasser“, eine Sandsteinvase mit Wolf, sowie zwei, auf einem Delfin reitende, Wasser speiende Putten erzählen vom Glanz der Barockzeit. Diesen sollte auch der Wasser speiende Wolf verleihen. Umso ärgerlicher, dass Vandalen im Frühjahr dieses Jahres den Kopf der Sandsteinfigur zertrümmerten. Einige Statuen können zweifelsfrei Johann Gottfried Knöffler (1715-1779) zugeordnet werden. Werke des renommierten Dresdner Hofbildhauers sind noch in der Elbmetropole zu bestaunen, trotz der Bombennächte im Februar 1945.

Flüsterbank als Dankeschön

Ende des 19. Jahrhunderts ist an einem Ende von insgesamt fünf Park-Sichtachsen eine klassische Halbrundbank aufgestellt worden. Nach jüngsten Erkenntnissen ist die sandsteinerne Flüsterbank Heinrich dem IX. Prinz Reuss als Dank für sein Park-Engagement gewidmet worden. Fachkreise gehen davon aus, dass sich der Schwiegervater des damaligen Altdöberner Stammesherren Carl Heinrich von Witzleben beratend und möglicherweise auch finanzierend eingebracht hat. Reuss wird ebenso zugeschrieben, den Landschaftsgestalter Eduard Petzold (1815-1891) für die hiesige Parkgestaltung gewonnen zu haben. Der Meisterschüler des Fürsten Pückler hat in Europa und Deutschland rund 175 Garten- und Parkanlagen geschaffen. Herausragend bei Petzolds Entwürfen sind die Vielfalt und Farbwirkungen der Gehölzkombinationen im Jahresverlauf. Acht verschiedene Eichenarten, Tulpen- oder Trompetenbaum, Gurkenmagnolie und geschlitzt-blättrige Rotbuche tragen Petzolds Handschrift. Einmal im Jahr erleben „seine“ Bäume, der Park, das Schloss und die Statuen leuchtende Momente.

Zu den „Parksommerträumen“ – in diesem Jahr am 13./14. August – wird das Ensemble in der Samstagnacht in romantisches Licht getaucht und verspricht göttliche Augenblicke.

Tourhöhepunkte:

Seit 2009 sanieren pro Jahr bis zu zwölf Jugendliche der Internationalen Jugend-Gemeinschaftsdienste den 60 Hektar großen Park. Zu den jährlichen Höhepunkten zählt die Einweihung von baulichen Objekten, womit sich die Jugendbauhütte selbst ein Denkmal setzt. Dazu zählen inzwischen vier Brücken, ein Gondelpavillon, ein Steg und mehrere Parkbänke. Wasser ist ein prägendes Element im Schlosspark. Allen voran der Salzteich und Goldfischteich mit seiner hölzernen Einfassung, die dendrologisch nachgewiesen bis in die Epoche um 1750 zurückreicht. Europaweit soll sich nur noch in Italien eine vergleichbare Anlage befinden. Die ursprünglichen Grabenverläufe werden heute durch Wasser aus einer Grubenwasserreinigungsanlage gespeist.

Saisonhöhepunkte:

Zu den „Parksommerträumen“ am 13. und 14. August werden von der Jugendbauhütte mehrsprachige Baustellen-Führungen angeboten.

Autor: Uwe Hegewald