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Interview: Spreewälder Erinnerungen mit Marga Morgenstern

Interview: Spreewälder Erinnerungen mit Marga Morgenstern
Urlaubsreich-Autorinnen Susann Troppa und Jessica Ziebe gehen mit Marga Morgenstern auf emotionale Zeitreise.
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Sie ist Urspreewälderin, Botschafterin für die Region, Buchautorin, Gästeführerin und vielen aus zahlreichen Artikeln und Fernsehdokumentationen rund um den Spreewald bekannt. Es ist also nicht verwunderlich, dass auf der Suche nach Spreewälder Originalen besonders oft ihr Name fällt – Marga Morgenstern. An einem herrlichen Herbsttag hat sie uns auf eine etwas andere Spreewaldplauderei zu sich nach Hause eingeladen. Eine Begegnung, die wir nicht so schnell vergessen werden…

Nicht der äußerliche Reichtum zählt, sondern der innere

Dass diese kleine, zierliche Frau voller Erinnerungen und Geschichten steckt, wird bereits kurz nach Öffnen der Wohnungstür klar. Spreewalderinnerungen, soweit das Auge reicht. „Die Gewürzdosen stammen noch aus meinem Elternhaus – einem Doppelstubenhaus in Straupitz“, erfahren wir in der Küche, während Marga Morgenstern Tee- und Kaffeewasser aufsetzt. „Nicht der äußerliche Reichtum zählt, sondern der innere“ gibt sie uns in der kleinen Küche zu bedenken. Dass das nicht nur eine Floskel, sondern tiefe Überzeugung ist, erfahren wir in den nächsten Stunden, in denen wir viel über

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ihre Person, ihre Geschichte und die Geschichte des Spreewaldes und seiner Bewohner erfahren.  „Ich liebe Gedichte – Rilke, Fontane, Kästner, Hesse, Michler“ nahezu zu jeder Anekdote zitiert die 82-Jährige dazu passende Auszüge ihrer Lieblingsdichter. Nicht langatmig und störend, sondern die Aussage unterstreichend, emotional und anrührend. Einige Male kämpfen wir damit, die Tränen zu unterdrücken.

Der Mensch ist das, was er durch andere wird.

„Margachen, das kann nicht genau genug genommen werden mit der Ankleiderei, denn das Ankleiden ist genauso wichtig, wie die Tracht alleene“, schwelgt sie in Erinnerung an ihre wendische Großmutter, der sie so gern beim Ankleiden zugeschaut hat. Genau mit dieser Achtung zieht sie auch heute die wendische Tracht nicht für die Touristen, sondern aus Überzeugung an und freut sich darüber, dass auch Jessica mit ihrem Schmogrower Traditionsverein diese Liebe zum Detail bewahrt.

„Der Mensch ist das, was er durch andere wird.“  So spiegelt sich auch ihre Ehrfurcht für den Spreewald, für das was die Vorfahren hier erschaffen haben und für die Spreewälder Natur, die wir während des gesamten Gespräches verspüren, in einem Erlebnis mit der Großmutter wieder. „Als sich meine Großmutter für die Weihnachtsmesse herausgeputzt hatte, erklärte sie mir trotz Zeitdruck, Margachen, ich muss noch in den Stall, die Modsche*  muss auch wissen, dass Weihnachten ist, ist sie doch Teil der Schöpfung.“  Genau solche Geschichten sind es, die das Spreewaldleben vergangener Zeiten lebendig werden lassen und uns fesseln.
Dabei lässt sie aber auch die dunklen Kapitel der Deutschen Geschichte nicht aus und gewährt uns einen Einblick, wie die Lebensumstände als Deutsche mit wendischen Wurzeln im Dritten Reich waren. „Meine Mutter hat immer mit der Oma geschimpft, wenn sie mit uns Wendisch sprach, war dies doch strengstens verboten.“

Mit Persönlichkeit dem Menschen zuhören

Man merkt, dass bei ihren Erzählungen die persönliche Note besonders wichtig ist. „Man spricht zu Menschen und nicht zu irgendwelchen Wänden“, ist sie überzeugt und hält es so wie Martin Luther „man muss den Leuten aufs Maul schauen, um zu erfahren, was sie bewegt und interessiert.“ Dass ihr das nicht nur bei uns gelingt, merken wir an den zahlreichen Briefen und Begegnungen von denen sie uns erzählt. So wurde sie beispielsweise erst vor kurzem von einer Reisegruppe kontaktiert, die  vor 10 Jahren eine Führung mit ihr gemacht hat und genau dieses Erlebnis nun noch einmal erleben möchte.

Auch wir könnten und wollen ihr noch ewig zuhören und denken an das Gedicht von Elli Michler, dass uns im Gespräch mit Marga Morgenstern besonders berührte: „Ich wünsche dir Zeit –[…] als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun, anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.“

„Das Beste was Ihnen bei einer Reise in die Mark begegnet, werden die Menschen sein“ zitiert sie am Ende unseres Gespräches noch einmal Fontane. Marga Morgenstern ist wahrlich dafür das beste Beispiel.

DER URLAUBSREICH-TIPP
Marga Morgenstern können Sie auf zahlreichen Festen der Spreewaldregion, bei einer Führung oder Spreewald-Plauderei erleben. Infos & Buchung: 03546 3202

Diesen und viele weitere interessante, lesenswerte Artikel finden Sie auch in der neuen Herbst- und Winterausgabe des Ferienmagazins Urlaubsreich Spreewald:

Autor: Susann Troppa