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Mord- und Sühnekreuz

Mord- und Sühnekreuz
04932 Großthiemig

Wegpunkt

Warum haben die Großthiemiger vor vielen, vielen Jahren das Mord und Sühnekreuz vergraben?
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Wollten sie durch das Vergraben Schmach und Schande verbergen oder war es die Scham davor, dass ein 14-jähriges Mädchen enthauptet und verbrannt worden ist? Ausgangs von Großthiemig in Richtung Hirschfeld steht ein Mord- und Sühnekreuz. Im Kreis Liebenwerda ist es wohl das Einzige, das noch ohne Legende ist. Sie scheint jedoch mit folgendem Tatbestand gefunden zu sein. „Das ganze Dorf Großkmehlen brannte am 14. Juni 1749 bis auf Schloss, Mühle, Pfarrhaus, Schule und einige abseitsgelegene Häuser nieder. Als Brandstifterin wurde die 14 Jahre alte Jungmagd Anna Leisker aus Großthiemig ermittelt, die das Feuer im Wohnhaus der Dienstherrschaft gelegt hatte, weil sie von der Bäuerin einiger Diebstähle bezichtigt war.

Das Urteil lautete: lebendigen Leibes verbrennen. Auf Grund eines eingereichten Gesuches wurde das Urteil gemildert. Vor der Verbrennung sollte das Mädchen enthauptet werden.“Dies geschah am 19. Dezember1749 auf dem Richtplatz an der Grenze zwischen Großkmehlen und Großthiemig durch den Scharfrichter von Großenhain. Das Mädchen wurde zuerst zum verbrannten Haus der Dienstherrin geführt und von da zur Richtstätte. Die Schuljugend sang geistliche Lieder.

Obwohl Mitte des 18. Jahrhunderts kaum noch Sühnekreuze errichtet worden sind, ist es in diesem Fall durchaus möglich, dass die Einwohner von Großthiemig ein derartiges Kreuz errichtet haben. Nur wurden sie ständig an diese für Großthiemig schändliche Tat erinnert und man beschloss, das Kreuz zu entfernen und für immer den Blicken zu entziehen .Es kann aber auch Scham gewesen sein, für solch ein junges Mädchen keine andere Strafe gefunden zu haben. Es ist nämlich anzunehmen, dass das Mädchen die Diebstähle garnicht begangen hatte und die Brandlegung nur ein Racheakt war, dem allerdings 28 Gehöfte zum Opfer fielen.

Das Kreuz wurde schließlich vergraben und bei Straßenbauarbeiten im 20. Jahrhundert wieder gefunden.

Schriftreihe des Kreismuseums Bad Liebenwerda 1961

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