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Ein Wochenende beim Schneeglöckchenlauf

Ein Wochenende beim Schneeglöckchenlauf
Der Schneeglöckchenlauf in Ortrand ist für viele Sportler ein Ereignis. So auch für uns Nordic Walkerinnen. Dieses Mal waren wir zu dritt am Start. Randi, ich berichtete im vergangenen Jahr darüber, war wieder dabei. Neu dabei war Eli, die seit der Schulzeit wohl kaum einen Wettkampf mitgemacht hatte. Sie war ganz schön aufgeregt, hatte sich fleißig auf die 10 Kilometerstrecke vorbereitet.
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Erlebnis Wettkampf

Wir verbinden immer Wettkampf und Erholung miteinander. Daher reisten wir bereits am Freitagnachmittag in unserem Quartier in Lauta an. Gemütliche Zimmer, sehr freundlicher Gastgeber in der Pension Opitz. Optimal. In einer Pizzeria aßen wir drei zu Abend und schnatterten dann in der Pension noch eine Runde. Drei Frauen unterwegs.

 

Sonnabend, nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir nach Ortrand. Dort reihten wir uns in die Autoschlange ein, die sich erst auf dem großen Parkplatz wieder auflöste. Himmel und Autos! Der Lacher, dass ein Sportfreund aus Cottbus, der meiner OnkoGruppe sonnabends oft im Branitzer Park begegnet, genau neben uns zum Parken kam. Man trifft sich immer.

In der Sporthalle war es rappelvoll. Beeindruckend, wie viele Sportler nach ihren Startunterlagen anstanden. Teilnehmer sollten unbedingt mindestens eine Stunde vor dem Start zur Anmeldung gehen.

 

Die große Nordic Walking Familie

Hier und da liefen mir nun schon bekannte Nordic Walker über den Weg, man begrüßte sich und unser Sportfreund aus Cottbus hatte wie immer seine Späßchen parat.

Nach den Läufern erfolgte unser Start über 10 Kilometer Nordic Walking. Mein Ziel bestand darin, meine beiden Frauen gut zu betreuen, sodass sie bei diesem Wettkampf ein Erfolgserlebnis haben. Denn Selbstwirksamkeit zu erfahren ist etwas, das einem in schweren Lebenssituationen nahezu Flügel verleihen kann.

Eli, deren Haar nach der Krebstherapie nun wieder zu einer flotten Kurzhaarfrisur geworden ist, kämpft sich mit jedem Schritt erfolgreich durch die ersten Kilometer. Da kamen mir die eigenen Erfahrungen wieder deutlich vor Augen, nämlich wie schwer diese auf Grund meiner Hormontherapie waren und wie ich kämpfen musste. Die Beine sind bleiern und man muss ihnen nahezu ansagen, was sie zu tun haben. Aber mit jedem Schritt geht es ein bisschen besser. Nach fünf Kilometern war Eli in Rhythmus und Tempo so angekommen, dass sie allein weiter ziehen konnte. Das war gut so, denn nun kam Randi in ein Loch. Aufgrund ihrer Erkrankung und Therapie kann sie prima starten, daher walkte sie erst weit vor uns, doch dann kommt eine heftige Erschöpfung. So kämpfte sie sich an den Verpflegungsstand heran und mit zwei Bechern Cola kam etwas Energie zurück. Ich wich ihr nicht von der Seite und begleitete sie bis ins Ziel.

Der Kampf um jeden Meter

An einer sehr schmalen Wegstrecke beschwerte sich eine hinter uns kommende Läuferin, sie hätte ihre Bestzeit vor und Randi und ich, wir walkten hintereinander, sollten Platz machen. Tja, wohin? Ins Gebüsch? Hätte ich ihr erklären sollen, wie schwer Randi gerade kämpfte? Nun es gab Läufer, die sich nett sogar bedankten, wenn wir uns bemühten, sie schnell vorbei zu lassen, aber für einige wenige waren wir wohl mehr Störenfriede als Sportler.

Randi behielt bei allem Fluchen, wieso es heute bloß so schwer sei, ihren Humor und fragte einen Streckenposten, ob er ihr sein Rad leihen würde. Der schaute verdattert. Klar, wir walkten weiter.

Im Ziel erwartete Eli uns schon. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette. Immer wieder, bis in den Abend hinein, sagte sie, wie super es ihr gehen würde.

Erholung

In der Pension ging es erst einmal unter die Dusche. Es war ein Genuss nach der Anstrengung. Und dann fuhren wir zum Hafen nach Senftenberg. Hier genossen wir die Aussicht auf den See und den wunderbaren Sonnenschein. Eli staunte nur und war so begeistert, dass sie demnächst ein paar Tage Urlaub dort machen will.

Nach so einem Wettkampf konnten wir das Abendessen richtig genießen.

Am nächsten Tag fuhren wir nicht sofort nach Hause, sondern machten noch einen Abstecher an den Geierswalder See, bewunderten den kleinen Leuchtturm und ließen den Blick über die Seenlandschaft schweifen. Das Leben ist schön! Tief durchatmen. Der Feldlerche bei ihrem Frühlingsgesang zuhören. Unbezahlbar. Trotz, nein, gerade wegen all dessen, was uns krank, Angst, Sorgen machte und macht. 

Wir kommen wieder!

Unser Wirt hatte uns noch die IBA-Terrassen in Großräschen empfohlen. Also nichts wie hin und schauen.

Die Sonne spielte herrlich mit und der Ausblick auf den einstigen Tagebau, der sich mit Wasser zum Seengebiet auffüllt, war spannend. Irgendwie auch schaurig-schön, als wir die Informationen lasen, wie viele Menschen wegen des Tagebaus ihre Heimat verlassen mussten.

In der Sonne sitzend, ein Süppchen essend, resümierten wir dieses Wochenende. Wir fühlten uns wunderbar erholt und gestärkt für unseren Alltag.

Zum Spreewaldmarathon kommt Randi wieder mit. Und wir werden mehr Teilnehmerinnen aus unserer Gruppe sein als letztes Jahr. Denn unsere Berichte motivieren immer wieder andere Frauen mitzumachen. Es geht nicht um die beste Platzierung, sondern um den Gewinn für sich selbst. Und der ist riesengroß.

Autor: Jessica Ziebe