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Den Schneeglöckchenlauf im Sturm erobert

Den Schneeglöckchenlauf im Sturm erobert
„Bimm, bimm, bimm“, das Geläute der vielen weiß leuchtenden Schneeglöckchen passt hervorragend in den Frühlingstag. Randis Glöckchen hat einen etwas anderen Klang als das, welches mir gleich nach dem Zieleinlauf vom Schneeglöckchenlauf um den Hals gehängt wurde. 
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Randi geht schnell vor die Halle, setzt sich auf eine Bank und verschnauft, während ich unsere Urkunden abhole. Für sie ist das Gewimmel so vieler Menschen problematisch.

Als ich mich neben Randi setze, sagt sie: „Schreib das auf: Die letzten zwei Kilometer waren ein harter Kampf. Aber ich wollte das schaffen und bin jetzt so froh und fühle mich sehr wohl.“

Noch vor einem Jahr hätte sie bestimmt jedem, der vorhergesagt hätte, dass sie einmal zehn Kilometer Nordic Walking beim Schneeglöckchenlauf absolvieren würde, einen Vogel gezeigt. Doch nachdem wir im Oktober 2015 fünf Kilometer im Rahmen des Branitzer Parklaufs mit gewalkt waren, sagte sie zu mir: „So und nun will ich wissen, was ich noch schaffen kann.“

Devise: „Nicht aufgeben beim Schneeglöckchenlauf!“

Randi kämpft und das nicht das erste Mal. Sie kämpft gegen eine Krankheit an, die Fibromyalgie* heißt. Seit gut einem Jahr gehört sie in meine Oranienburger OnkoWalking- Gruppe. In dieser Gruppe treffen sich ein oder zwei Mal pro Woche Frauen, von denen die meisten an Brustkrebs erkrankt waren oder sind. Aber auch Frauen, die weder „Fibro“ noch Krebs hatten, sind dabei. Alle wollen etwas für sich tun. Für mich als Gründerin und Leiterin der Gruppe ist es der schönste Job der Welt, denn ich erlebe, wie diese Frauen dank des Nordic Walkings und der Gemeinschaft wieder sicherer den Weg in ihr Leben gehen.

 

Schneeglöckchenlauf

Beim Schneeglöckchenlauf kann man in verschiedenen Disziplinen antreten. Marita Bauer

Die richtige Walking-Technik ist das A und O

Das Wetter spielt beim Schneeglöck- chenlauf 2016 hervorragend mit. Wir starten weit hinten, um dem Startge- dränge zu entgehen. Randi hat das Kommando, ich passe mich ihrem Schritttempo an. Schnell kommen wir in einen gemeinsamen Rhythmus und schauen, wie die anderen um uns herum unterwegs sind. Leider bestätigt Randi meine Beobachtung: „Auwei, die Technik beherrschen wirklich wenige.“ Eine Frau, die später ihre Stöcke in das Ziel trägt, hat Stöcke dabei mit sehr dicken Griffen und Schlaufen, die ein korrektes Nordic Walking niemals möglich machen. Den kräftigen und weiten Abschub nach hinten sehen wir kaum.

Wir halten uns an die LLL-Regel: Lieber lange langsam. Die korrekte Technik ist mir wichtig um Fehlbelastungen zu ver- meiden. Aber es geht auch darum, die Wirkungspotenzen dieses Sports so op- timal wie nur möglich zu nutzen. Randi kann die Oberkörperrotation nur an- deuten, denn die Einschränkungen aufgrund ihrer Erkrankung sind hemmend. Trotz- dem schiebt sie sich kraftvoll ab und walkt fließend und harmonisch.

 

Schneeglöckchenlauf

Kurz vor dem Start beim Schneeglöckchenlauf. Marita Bauer

Immer vorwärts beim Schneeglöckchenlauf

Der Anblick der vielen bunten Lauf- jacken lässt mich aus Goethes Oster- spaziergang zitieren: „Doch an Blumen fehlts im Revier. Sie nimmt geputzte Menschen dafür.“

Randi schreitet kräftig aus – so langsam sind wir nicht unterwegs. Trotzdem las- sen wir unsere Blicke schweifen, erfreu- en uns an der Natur, sehen dicke Schneeglöckchenbündel blühen und schauen den Kühen kurz zu.

Als wir die Stimmen aus dem Zielbereich hören und feststellen, es müssten noch zwei Kilometer sein, sind wir beide froh. Denn wir sind an unserer Grenze angekommen. Randi war bisher noch nie so lange mit Nordic Walking unterwegs gewesen, denn im Training sind es meist sieben Kilometer, die wir absolvieren, inklusive Pausen und ver- schiedener Übungen. Da Randi danach immer noch „Luft nach oben“ hatte, entschied sie, es beim Schneeglöckchenlauf über die zehn Kilometer zu versuchen. Ich hatte eine schlechte Nacht und das fordert bei mir seinen Tribut. Doch zu zweit schaffen wir es und motivieren uns so, dass wir aus unserem Gleichschritt nur etwas Tempo heraus- nehmen müssen.

Die Funktion von Wettkämpfen

Mit unserer Zeit 1:41 sind wir am Ende beide zufrieden. Platzierung? Völlig egal. Nun fragt sich vielleicht mancher, worin denn dann der Sinn einer Wettkampfteilnahme bestehen würde. Ganz einfach: Sie stellt eine völlig andere Herausforderung da. Man kämpft sich durch, setzt andere Reize und sammelt vielfältige Erfahrungen. Das sind wichtige Trainingsmittel. Sagen zu können: „Ich habe das geschafft!“ macht Mut bei der Bewältigung von Problemen. Und es ist schön, andere Strecken und Gegenden kennen- zulernen, weg vom Alltag. So manche Sportfreunde lernte ich dabei kennen und es ist immer Zeit für ein freundliches Hallo.

Schneeglöckchenlauf

Randi hat es geschafft! Marita Bauer

 

Der Schneeglöckchenlauf ist wie viele andere in der Region hervorragend organisiert. Wir freuen uns schon auf den Spreewaldmarathon. Vielleicht sind wir dann nicht nur drei aus unserer Gruppe.

Wer mit uns mitkommen möchte und noch unsicher ist, dem biete ich meine Unterstützung an. Informationen und Kontaktaufnahme unter www.personal-nordic-walking.de

 

*Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz)
Die Betroffenen haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, ehe die Ursache für wechselnde Schmerzen, Erschöpfungszustände, Konzentrations- und Schlafstörungen u.a. diagnostiziert werden. Die Erkrankung ist unheilbar. Sie wird oft von psychischen Problemen wie Ängsten, Depressionen begleitet.

Autor: Marita Bauer